Benoît Poelvoorde sucht als reicher Schnösel eine eigenen Clan und mit ihm die heile Welt

Eigentlich ist Jean-Pierre Améris kein Komödienregisseur, auch wenn sein größter Erfolg „Die anonymen Romantiker“ (2010) das Gegenteil zu belegen scheint. Denn der Regisseur entwirft die männlichen Hauptfiguren gern in Anlehnung an ihn selbst: zu Depressionen neigende Männer um die 50 mit einer pessimistischen Weltsicht.

So auch der steinreiche Paul-André (Benoît Poelvoorde). Einsam und deprimiert sitzt er in einer riesigen Villa herum und sehnt sich nach einer Familie. Oder besser: nach der Wunschvorstellung einer Familie mit der perfekten Harmonie. Was er stattdessen findet, ist die normal-chaotische Familie der alleinerziehenden, arbeitslosen Violette (Virginie Efira). Mit ihr schließt er einen Vertrag: Er bezahlt Violettes Schulden, dafür nimmt sie ihn für drei Monate in ihre Familie auf. Wie das nach einigen mäßig komischen Verwicklungen ausgeht, ist recht leicht zu erraten.
Was „Familie zu vermieten“ dennoch interessant macht, ist die Konsequenz, mit der hier in einem stilisierten Setting viele Varianten jener Ansprüche und Abhängigkeiten durchgespielt werden, die Familie mit sich bringt. Einige durchaus subtile Szenen zeigen, wie der Neurotiker Paul-André und die mit nur geringem Selbstwertgefühl gesegnete Violette zu jenen Charakteren wurden, die sie letztlich sind.
„Une familie à louer“, F/B 2015, 97 Min., R: Jean-Pierre Améris, D: Benoît Poelvoorde, Virginie Efra, Franҫois Morel
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