Drama über ein Schachgenie

Im Kino haben Schachspieler das Abonnement auf eine psychische Störung. Vermutlich, weil sich der Denksport filmisch nicht besonders gut darstellen lässt: Dem wortlosen Verschieben von Figuren mangelt es an dramatischer Wucht. Dabei macht der neuseeländische Film „Das Talent des Genesis Potini“ das nicht einmal schlecht: „Es ist ein Kriegsspiel“ erläutert der ältere seinem jüngeren Bruder, als er ihm die möglichen Züge erklärt.

Foto: KochFilms GmbH
Doch die Schachkarriere des Maoris Genesis Potini (Cliff Curtis) kommt durch seine bipolare Störung nie richtig ins Rollen. Er bräuchte ein stabiles Umfeld, das ihm sein Bruder, Mitglied einer kriminellen Bikergang, und sein halbwüchsiger Neffe nicht bieten können. Also sucht sich Potini eine Aufgabe im lokalen Jugendclub, trainiert sozial benachteiligte Jugendliche im Schach und verspricht, die Kids zu einem Turnier nach Auckland zu bringen.
Das Drama von Regisseur James Napier Robertson weiß vor allem durch seine Vielschichtigkeit zu gefallen: Überzeugend verknüpft Robertson ein persönliches Schicksal mit sozialen und kulturellen Aspekten der neuseeländischen Gesellschaft. In seiner zweiten Hälfte landet der zweistündige Film dann allerdings lediglich bei einem sorgfältigen Abarbeiten aller aufgestauten Konflikte: ebenso solide wie komplett überraschungsfrei.
„The Dark Horse“, NZ 2014, 124 Min., R: James Napier Robertson, D: Cliff Curtis, James Rolleston, Wayne Hapi
„Das Talent des Genesis Potini“ im Kino
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