Das Multitalent Agnès Jaoui wurde bei uns in den 90ern als Drehbuchautorin bekannt, mittlerweile hat sie fünf Filme als Regisseurin inszeniert und ist weiterhin als Schauspielerin tätig, einem Metier, in dem sie sich eine eigene Nische geschaffen hat: Frauen mit defizitärem Selbstwertgefühl, irgendwo zwischen Nervenbündel und Nervensäge. So auch hier.

Isabelle (Jaoui) zerreißt sich als freiwillige Helferin für Wohltätigkeitsorganisationen. Für ihren Mann und die zwei halbwüchsigen Kinder hat sie keine Zeit. Bald schon sitzt sie mit ihrem Gatten bei der Paartherapeutin, die die entscheidende Frage stellt: „Was ist ihnen wichtiger, Dankbarkeit oder Liebe?“ Isabelle hat darauf keine Antwort, aber man versteht es auch so: Die vermeintliche Selbstlosigkeit beinhaltet auch das im Grunde egoistische Gefühl, dass sich die Welt ohne einen nicht weiterdrehen würde. Auflösen kann der Film das am Ende nur, indem er das Konzept Familie auf Wahlverwandtschaften erweitert.
Regisseur Gilles Legrand inszeniert das alles mit recht leichter Hand, nicht immer ganz treffsicherem Witz (Isabelles Schüler sind fleischgewordenes Klischee – die passende Diskussion über den Unterschied zwischen Klischee und Rassismus wird allerdings auch gleich mitgeliefert) und einer Hauptdarstellerin, die den ganze Film praktisch ganz alleine trägt.
„Les bonnes intentions“, F 2020, 103 Min, R: Gilles Legrand, D: Agnès Jaoui, Alban Ivanov, Claire Sermonne, Start: 30.1.